Kinder mit Lebererkrankungena1-AntitrypsinmangelWas ist a 1-Antitrypsin (gesprochen alpha-1-Antitrypsin, manchmal als "a1-AT" abgekürzt, im englischen Sprachraum auch Proteasen-Inhibitor genannt, ist einer der zahlreichen chemisch aktiven Eiweißstoffe, die in der Leber hergestellt und von ihr an das Blut abgegeben werden. Im Blut und anderen Körperflüssigkeiten hat es die Aufgabe, eine übermäßige Wirkung von eiweißabbauenden Wirkstoffen, sogenannten Proteasen, zu verhindern. Zwischen den Proteasen und ihren Gegenspielern (also vor allem dem a1-Antitrypsin) besteht ein fein geregeltes Gleichgewicht. Bei einem Mangel an a1-Antitrypsin kann es also zu einem Überwiegen eiweißzerstörender Wirkstoffe kommen. Da Eiweiße zu den Hauptbestandteilen fast aller Körpergewebe zählen, können schwere Gewebeschäden die Folge sein.Was ist mit a1-Antitrypsinmangel gemeint?Die Krankheit, um die es hier geht, führt zu einer Erniedrigung der a1-Antitrypsin-Menge im Blut und erhielt deswegen ihren Namen. Genaugenommen fehlt den allermeisten der betroffenen Patienten aber das a1-Antitrypsin nicht grundsätzlich, sondern das in ihrem Körper gebildete a1-Antitrypsin weist in seinem Aufbau einen winzigen "Webfehler" auf. Dieser Webfehler stört den Transport des Wirkstoffes aus den Leberzellen heraus, in denen er gebildet worden ist. Deswegen sammelt sich immer mehr a1-Antitrypsin in der Leber an und kann dort Schäden anrichten. Dagegen herrscht im übrigen Körper ein a1-Antitrypsin-Mangel, und die eiweißschützende Funktion des a1-Antitrypsin für andere Organe, z.B. für die Lunge, fehlt.Wie kann es zu einem Mangel an a1-Antitrypsin kommen?Der a1-Antitrypsin-Mangel ist eine Erbkrankheit, und zwar eine der häufigsten (in Mitteleuropa ist mehr als jeder 2000. Mensch betroffen). Zum Verständnis muß man wissen, daß für jeden Körperbestandteil bei jedem Menschen zwei Erbanlagen (Gene) vorhanden sind, die man mit Bauplänen vergleichen kann. Einen Plan hat jeder von der Mutter, einen vom Vater geerbt. Für die meisten im Körper gebildeten Stoffe gibt es nur eine einzige Bauweise, die beiden ererbten Gene von Vater und Mutter stimmen überein. Manche Stoffe kommen jedoch in der Bevölkerung in verschiedenen Versionen vor, so auch das a1-Antitrypsin. Die einzelnen Typen werden mit Buchstaben bezeichnet. Der "Normaltyp" des a1-Antitrypsin heißt M, derjenige mit dem besagten "Webfehler", der zur Erkrankung führen kann, heißt Z. (Es gibt noch zahlreiche andere, die aber sehr viel seltener sind, so daß hier nicht weiter darauf eingegangen werden soll.)Grundsätzlich sind also für die beiden von Vater und Mutter geerbten a1-Antitrypsin -"Baupläne" eines jeden Menschen drei Kombinationen denkbar:
Welchen Krankheitsverlauf nimmt der a1-Antitrypsinmangel?Wie macht sich die Lebererkrankung bemerkbar? Bei etwa jedem 10. genetisch betroffenen Kind stellt sich eine Verlängerung der Neugeborenen-Gelbsucht ein. Noch seltener kann in den ersten Lebenswochen eine übermäßige Blutungsneigung auftreten. Wenn die betreuenden Ärzte dann an diese Möglichkeit denken und entsprechende Untersuchungen durchführen, wird ein a1-Antitrypsinmangel daraufhin manchmal schon in den ersten Lebenswochen festgestellt. In den meisten Fällen dagegen treten in den ersten Wochen, Monaten oder sogar Jahren zunächst gar keine Krankheitszeichen auf. Dann macht sich der Entzündungsprozeß und die nachfolgende Vernarbung in der Leber meist schleichend bemerkbar. Folgende Anzeichen hierfür können auftreten:
Alle diese Zeichen treten nicht nur beim a1-Antitrypsinmangel auf, sondern sind Symptome einer Lebererkrankung ganz allgemein. Viele Menschen denken hier als erstes an eine ansteckende Leberentzündung ("infektiöse Gelbsucht", "Virushepatitis"). Jeder, der Umgang mit Patienten mit a1-Antitrysinmangel hat, sollte wissen, daß deren Gelbsucht im Gegensatz dazu nicht ansteckend ist, sondern auf einer angeborenen Stoffwechselstörung beruht. Wann und wie wird der a1-Antitrypsinmangel festgestellt? Im typischen Fall ist bei einem Kind eines der aufgezählten Symptome aufgetreten, und es wird deswegen "ganzheitlich" untersucht. Oder bei einem bisher ganz gesund erscheinenden Kind ist zufällig, z.B. bei der Vorbereitung für eine Operation, eine Erhöhung der Leberwerte aufgefallen, und hierfür wird nun eine Ursache gesucht. Gelegentlich gibt es in einer Familie schon einen bekannten Fall, und bei Eltern und Geschwistern wird eine gezielte Familienuntersuchung durchgeführt. In all diesen Fällen müssen nur Blutuntersuchungen durchgeführt werden, um die Diagnose zu stellen: Die Messung des a1-Antitrypsingehaltes im Blut, vor allem aber die sogenannte "Typisierung", bei der festgestellt wird, ob ein PiMM-, PiMZ- oder PiZZ-Typ (s. oben) vorliegt. Für die eigentliche Diagnosestellung ist also zunächst nichts weiter erforderlich als eine einzige Blutentnahme. Sind noch weitere Untersuchungen notwendig? Ja - jedenfalls dann, wenn die Typisierung PiZZ oder PiMZ (oder einen der seltenen Mangeltypen, die hier nicht weiter zu besprechen sind, wie PiSZ, PiFZ und PiSS) ergeben hat. Denn damit ist ja nur die "Erbdiagnose" gestellt, und über Vorhandensein und Ausmaß einer Leberschädigung weiß man noch nichts. Hilfreiche Untersuchungen in diesem Zusammenhang sind:
Weitere Untersuchungen (z.B. Probenentnahme aus der Leber, Speiseröhrenspiegelung) werden nur in Sonderfällen oder in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium erforderlich und sollen hier nicht im einzelnen besprochen werden. Sie sollten sich diese dann in Ruhe vom behandelnden Arzt erklären lassen. Ist es möglich, bei Diagnosestellung den Verlauf der Lebererkrankung vorherzusagen? Leider gibt es dafür nur einige Wahrscheinlichkeitsregeln. Ein Hinweis ist die Schwere und Dauer einer Gelbsucht im Neugeborenenalter: Je schwerer diese Erkrankung war, desto eher ist für die folgenden Jahre mit ernsthaften Problemen zu rechnen. Und umgekehrt werden PiZZ-Kinder fast nie schwer leberkrank, wenn sie in den ersten Lebensmonaten durchweg gesund geblieben waren. Wenn während der ersten Lebensmonate Blut abgenommen oder eine Gewebeentnahme aus der Leber (Biopsie) durchgeführt wurde, gilt auch hier, daß um so eher mit einem ungünstigen Verlauf gerechnet werden muß, je ausgeprägter dabei die Auffälligkeiten waren. Sind in einer Familie mehrere Personen vom Typ PiZZ betroffen, besteht außerdem eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, daß sie einen ähnlichen Krankheitsverlauf haben werden. Ist also ein Kind schon älter, kann man damit rechnen, daß ein jüngeres Kind in vergleichbarer Weise gesund bleiben oder krank werden wird. Diese Zusammenhänge sind statistischer Art und zeigen sich bei der Untersuchung großer Patientengruppen. Sie müssen im Einzelfall nicht unbedingt so zutreffen! Man kennt bisher kein Kriterium, durch das man schon im jungen Kindesalter sicher erkennen kann, welcher Patient eine ernsthafte Leberbeteiligung bekommen wird und welcher nicht, und ob dieser Prozess rasch oder schleichend verlaufen wird. Es bleibt also nichts anderes übrig, als alle Patienten mit PiZZ (und den selteneren Mangeltypen) entsprechend regelmäßig zu überwachen. Kann der a1-Antitrypsinmangel behandelt werden?Ja und nein. Die Grundursache der Erkrankung (der Bauplan, nur "fehlerhaftes" statt "normalem" a1-Antitrypsin in der Leber herzustellen) ist bei Mangel-Patienten im Erbgut festgelegt. Weltweit arbeiten Forschergruppen an Methoden, dem Körper nachträglich fehlende Erbinformationen zu geben ("Gentherapie"). Ein bisher ungelöstes Problem hinsichtlich dieser speziellen Lebererkrankung ist aber, daß man dem Körper mit der Gentherapie nicht nur den fehlenden "Bauplan" für PiM nachliefern, sondern in den Leberzellen auch den Bauplan für PiZZ "ausradieren" müßte. Eine Lösung dieses Problems ist noch nicht greifbar. Es wird – sollte es überhaupt je gelingen – sicher noch sehr viele Jahre dauern, bis eine Gentherapie zur Verhinderung der a1-Antitrypsin-Lebererkrankung praktisch anwendbar ist. Aus Experimenten an Zellen und Versuchstieren ist neuerdings bekannt, daß einige Medikamente dazu beitragen können, in der Leber angesammeltes und dort schädliches PiZZ-a1-Antitrypsin trotz seines "Webfehlers" aus der Leber heraus ins Blut zu transportieren, also den normalen Ablauf wieder herzustellen. Dadurch könnte der Leberschaden verringert und zugleich der Lunge und anderen Organen der Schutzeffekt des a1-Antitrypsin wieder zur Verfügung gestellt werden. Die entsprechende Forschung ist aber noch im Grundlagenstadium, und diese Medikamente werden wohl allenfalls in einigen Jahren für die breite Anwendung bei Kindern zur Verfügung stehen. Da in der Leber ja sowieso bereits eine schädliche Speicherung von ("defektem") a1-Antitrypsin besteht, ist die zusätzliche Zufuhr von normalem a1-Antitrypsin von außen (durch Infusionen oder Inhalation) grundsätzlich nicht zur Behandlung der Lebererkrankung geeignet. Bei fortgeschrittener Lungenschädigung im Erwachsenenalter findet diese Therapie dagegen zunehmend Anwendung. Fieberhafte, entzündliche Erkrankungen führen jeweils zu vermehrter Ablagerung von a1-Antitrypsin in den Leberzellen, also langfristig möglicherweise zu einer Verschlimmerung der Lebererkrankung. Im Sinne einer "vorbeugenden Behandlung" ist es daher sinnvoll, die betreffenden Kinder großzügiger als sonst üblich bei Infekten mit fiebersenkenden Mitteln und gegebenenfalls auch mit Antibiotika zu versorgen. Für Patienten mit einer schon bestehenden Lebererkrankung gibt es allgemeine Behandlungsverfahren, um deren Folgen zu lindern und ein Fortschreiten der Leberschädigung zu verlangsamen. In diesem Sinne können folgende Medikamente zur Anwendung kommen:
Bei schwerer kranken Patienten können im Einzelfall noch weitere Medikamente erforderlich sein. Gibt es besondere Ernährungsvorschriften für Patienten mit a1-Antitrypsin-Mangel? Nicht grundsätzlich. Die Diagnose "PiMZ" oder "PiZZ" alleine ist kein Grund, ein Kind nicht ganz normal zu ernähren. Auch für a1-Antitrypsinmangel-Patienten ist die Muttermilch die beste aller Neugeborenen- und Säuglingsnahrungen; es gibt sogar Hinweise darauf, daß Stillen zu den Faktoren gehören könnte, die einem Ausbruch der Lebererkrankung bei PiZZ-Kindern entgegenwirken. Die Diagnose sollte daher keinesfalls ein Grund zum Abstillen sein – im Gegenteil! Kinder mit einer schon deutlicheren Lebererkrankung können allerdings Probleme durch eine gestörte Fettverdauung bekommen. Wegen des entstehenden Kalorienmangels gedeihen sie nicht ausreichend, oder zeigen Unverträglichkeitsanzeichen (Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall) schon bei normalem Fettgehalt der Nahrung. Diese Kinder sollten besonders fette Nahrungsmittel (Sahneprodukte, fetten Käse, fettes Fleisch, fette Wurst) so weit meiden, daß sie keine Beschwerden haben. Um trotzdem ausreichend Kalorien zu bekommen, sollen diese Kinder andererseits eine Anreicherung der Nahrung mit Spezialfetten erhalten, die sie besser verdauen können (sogenannte "mittelkettige Fettsäuren", abgekürzt "MCT"). Diese sind als Speiseöl und Margarine (z.B. Handelsname ceresÒ , hergestellt von den Union Lebensmittelwerken, Hamburg) in Apotheken und Reformhäusern zu erhalten; auf Antrag können die Kosten dafür von der Krankenkasse übernommen werden, wenn ein Arzt die medizinische Notwendigkeit der Spezialnahrung bescheinigt hat. Für leberkranke Säuglinge empfiehlt sich als Flaschennahrung ein Präparat, welches ebenfalls vermehrt MCT-Fette enthält (z.B. "Humana Heilnahrung mit MCT"). Dürfen leberkranke Kinder mit a1-Antitrypsinmangel geimpft werden?Ja! Ein möglichst vollständiger Impfschutz ist sogar ganz besonders wichtig. Vor allem sollte auch gegen Hepatitis A und Hepatitis B, die Erreger der "infektiösen Gelbsucht", geimpft werden, um die schon vorgeschädigte Leber des Kindes vor einer zusätzlichen Schädigung zu schützen. Der a1-Antitrypsinmangel stellt keinesfalls ein Hindernis gegen irgendeine Impfung dar. Können leberkranke Kinder mit a1-Antitrypsinmangel in Kindergarten und Schule gehen, und gibt es sonst Einschränkungen im täglichen Leben?Leberkranke Kinder sollen sich so normal und kindgerecht bewegen und entwickeln können wie ihre jeweiligen Altersgenossen, also auch Kindergarten und Schule besuchen. Sie brauchen nicht isoliert oder speziell geschützt zu werden. Es ist aber sinnvoll, das verantwortliche Personal in Kindergarten und Schule über die Erkrankung des Kindes zu informieren. Dies gilt insbesondere bei Kindern, die eine Gelbsucht haben; wie weiter oben schon einmal betont, müssen alle Kontaktpersonen wissen, dass diese Form der Gelbsucht nicht ansteckend ist, um dem Kind soziale Schwierigkeiten zu ersparen. Was passiert, wenn ein Kind mit a1-Antitrypsinmangel schließlich eine Leberzirrhose entwickeln sollte?Mit "Leberzirrhose" ist eine starke und fortschreitende Vernarbung der Leber gemeint, die mit einer Zerstörung von Leberzellen und einer Veränderung der Leberdurchblutung verbunden ist. Sie kann bei Kindern mit a1-Antitrypsinmangel (fast ausschließlich bei PiZZ) binnen Monaten oder langsam über einige Jahre entstehen. Manche Betroffene sind zwar noch über lange Zeit in einem stabilen Gesundheitszustand, obwohl bereits eine Leberzirrhose besteht – aber wenn sich abzeichnet, dass die Leberleistung durch ein Fortschreiten der Zirrhose unter eine kritische Grenze abzufallen droht, bleibt als einzige lebensrettende Möglichkeit eine Lebertransplantation. Es würde den Rahmen dieses Informationsblattes sprengen, auf Einzelheiten dieses komplizierten Themas einzugehen. Zur Orientierung sei hier nur gesagt, dass es sich um eine aufwendige und schwierige Operation handelt, die gerade bei Kindern nur an wenigen Spezialkliniken durchgeführt wird. Wegen der mit dem Eingriff verbundenen Risiken überleben nicht alle Patienten die Operation und die unmittelbar folgenden Wochen. Man kann aber davon ausgehen, dass mehr als 80%, bei rechtzeitiger Planung sogar mehr als 90% der Patienten, die im Kindesalter wegen einer Stoffwechselerkrankung (wie dem a1-Antitrypsinmangel) lebertransplantiert werden, langfristig überleben und auch komplett gesund werden – abgesehen von der lebenslangen Notwendigkeit regelmäßiger Medikamenteneinnahme. Die Transplantation korrigiert außer der Lebererkrankung auch die a1-Antitrypsin-Werte im Blut, die wichtig für den Schutz anderer Organe sind (s.o.). Man darf also annehmen, dass transplantierte Patienten auch keine Gefährdung mehr haben hinsichtlich der speziellen Lungen-, Nieren- oder Gefäßschäden. Die Möglichkeit der Lebertransplantation für die am schwersten betroffenen Kinder hat dazu geführt, dass die Gesamtüberlebensrate für Kinder mit PiZZ nach aktuellen Statistiken bei 98% liegt. Was bedeutet es für die Familie insgesamt, dass der a1-Antitrypsinmangel eine "Erbkrankheit" ist?Dazu muss man auf die am Anfang dieser Schrift erklärten erblichen "Baupläne" zurückkommen, also den "fehlerhaften" Typ Z und den normalen Typ M. Wenn ein Kind als Typ PiZZ erkannt wurde, also ein typischer a1-Antitrypsinmangel festgestellt wurde, muss es von beiden Eltern je einen "Bauplan" Typ Z geerbt haben. Beide Eltern haben dann meist den "heterozygoten" Typ PiMZ. Dieser Typ kommt in der mitteleuropäischen Bevölkerung häufig vor: von 40 Personen ist jeweils einer betroffen. Wenn das betreffende Elternpaar weitere Kinder hat, ergibt sich aus den Regeln der Vererbung, dass diese statistisch zu 50% wieder PiMZ sein werden, zu 25% PiMM, und zu 25% PiZZ. Anders ausgedrückt: von vier Kindern wird statistisch eines einen a1-Antitrypsinmangel haben, zwei weitere werden zumindest die Anlage dazu an ihre eigenen Nachkommen weitergeben können (so wie die Eltern selbst), und nur eines wird gar nicht betroffen sein. Wohlgemerkt: Dies sind statistische Wahrscheinlichkeitsregeln. Die Wirklichkeit innerhalb einer bestimmten Familie kann anders aussehen. So könnte das besagte Elternpaar (beide PiMZ), obwohl es vielleicht nur zwei Kinder hat, leider trotzdem zwei von der Erkrankung betroffene Kinder haben - oder auch zwei ganz gesunde PiMM-Kinder. Man kann nur sagen, daß diese beiden "Extremvarianten" nicht sehr wahrscheinlich sind. Solche Wahrscheinlichkeitsangaben zur Vererbung sind sicher schwer zu verstehen und zu akzeptieren. Gerade hier kann ein kurzes Merkblatt eine persönliche Beratung nicht ersetzen. Deswegen sollen hier nur zwei Regeln betont werden:
Wie sollte die ärztliche Betreuung organisiert sein? Für die Betreuung eines Kindes mit a1-Antitrypsinmangel sollte ein niedergelassener Kinderarzt als erster, heimatnaher Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Für speziellere Fragen und Untersuchungen sollte immer ein Spezialist mit eingeschaltet werden, der sich mit Leberkrankheiten bei Kindern speziell befasst. Je nach Schwere der Lebererkrankung kann im Verlauf die Einschaltung eines Zentrums erforderlich werden, in dem noch weitere Möglichkeiten, gegebenenfalls bis hin zur Lebertransplantation, zur Verfügung stehen (das sind im wesentlichen einige große Universitätskinderkliniken). Wie häufig das Kind zu Kontrolluntersuchungen vorgestellt werden soll, und wie oft davon beim Spezialisten bzw. im Zentrum, wird man von seinem Zustand und den aktuellen Laborwerten abhängig machen; hierfür gibt es keine festen Regeln. Manche Kinder müssen nur ein- oder zweimal im Jahr untersucht werden. Je schlechter die Werte und womöglich das Befinden des Kindes, desto häufiger wird man Untersuchungen durchführen, um keine Behandlungsnotwendigkeit zu versäumen, und desto enger wird das Kind auch an eine spezialisierte Betreuung angebunden werden. So können sich Familie und Spezialisten rechtzeitig kennen lernen, und auf eine eventuelle Verschlechterung kann man nach und nach, auf jeden Fall aber rechtzeitig reagieren. Unabhängig davon sollte für die allgemeine Betreuung und andere Erkrankungen ganz normal der Haus-Kinderarzt konsultiert werden. In welchen speziellen Situationen sollte man sich an einen Arzt oder eine Klinik wenden? Spezielle Zeichen, die aufmerksam machen sollten und zu einer unverzüglichen Kontaktaufnahme mit einem Arzt führen sollten, sind:
Unabhängig von allen diesen Punkten sollten Sie sich niemals scheuen, Ärzte anzusprechen oder Ihr Kind vorzustellen, wenn Sie unsicher oder ängstlich sind! Es ist besser, "umsonst" zum Arzt oder in eine Klinik zu fahren, als ein Problem womöglich zu verschleppen! Quelle: Dr. med. R. Kardorff Marien-Hospital Wesel Klinik für Kinderheilkunde und Jugendmedizin Pastor-Janßen-Str. 8 - 38 46483 Wesel Stand: 2004 |