Der Begriff "Hepatitis" bedeutet "Entzündung der Leber". Für eine Leberentzündung gibt es verschiedene Ursachen; dazu gehören beispielsweise Viren, Medikamente oder der Alkohol. Als seltene Ursache kommen auch sogenannte "Autoimmunvorgänge" in Frage. Dabei bildet der Organismus Abwehrstoffe (= Antikörper) gegen körpereigene Zellen oder Zellbestandteile, die im Falle einer Autoimmun-Hepatitis zu einer Leberentzündung führen.
Leberentzündungen können verschiedene Verlaufsformen bieten. Sie können "akut", d.h. mit plötzlich einsetzenden Krankheitssymptomen, oder auch "chronisch", d.h. mit schleichendem Beginn und längerer Verlaufsdauer, auftreten. "Aktiv" (früher: "aggressiv") wird eine chronische Leberentzündung dann genannt, wenn sie (ohne Therapie) stetig fortschreitet, zu einer zunehmenden Einschränkung der Leberfunktion führt und schließlich über einen bindegewebigen Umbau der Leber in eine Leberzirrhose übergeht.
Ursachen
Die Ursache der CAAH war lange ungeklärt. Kein Krankheitserreger (z.B. Virus), Defekt im Stoffwechsel (z.B. Wilson-Erkrankung) oder schädigender Stoff (z.B. Alkohol) konnte für das Krankheitsbild verantwortlich gemacht werden.
Symptome:
In einem geringen Prozentsatz der Fälle beginnt die CAAH wie eine akute Hepatitis (Link zu "Virushepatitis"). Bei den meisten Patienten beginnt die Erkrankung jedoch unbemerkt und nimmt einen schleichend chronischen Verlauf. Dabei kann es zu Uncharakteristischen Symptomen wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Oberbauchbeschwerden kommen. Häufig werden die sog. Leberhautzeichen gefunden, ebenso kann eine Gelbsucht entstehen (Link zu "Chronische Hepatitis").
Auch andere Organe können mitbetroffen sein; so kann es zu einer Milzvergrößerung (Splenomegalie), einer Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis) und der Lungenbläschen (Alveolitis), zu einer Mitbeteiligung der Niere (renotubuläre Azidose) und der Haut (Akne) kommen.
Diagnose
Durch bestimmte Blutuntersuchungen kam man schließlich der Natur der CAAH auf die Spur. So konnte bei den Erkrankten eine Vielzahl an Abwehrstoffen gegen körpereigene Zellen oder Zellbestandteile nachgewiesen werden, so z.B.:
Der Nachweis dieser Antikörper weist auf den "autoimmunen" Charakter einer Leberentzündung hin.
Die klassische Form der Autoimmun-Hepatitis (= "lupoide Hepatitis") zeichnet sich dabei durch das Vorliegen antinukleärer Antikörper (ANA) und meist auch von Antikörpern gegen glatte Muskulatur (SMA) (= Abkürzung für den englischen Ausdruck: "smooth muscie antibody") aus, während gleichzeitig keine Hinweise auf eine Virusinfektion vorliegen.
So lassen sich bei diesen Patienten weder Viruseiweiße (= Antigene) noch spezielle Abwehrstoffe (= Antikörper) gegen Hepatitis-Viren, die für eine Infektion sprechen würden, nachweisen.
Da es aber auch Patienten mit Autoimmun-Hepatitis gibt, die keine antinukleären Antikörper haben, sollte bei einer chronischen Hepatitis mit Verdacht auf eine autoimmune Entstehung das Blut auf weitere, seltenere Marker der Autoimmunhepatitis wie die Antikörper gegen die Leber- und Nierenmikrosomcn (LKM-Antikörper), gegen das sog. lösliche Leberantigen (SLA; Antigen = Eiweiß, das eine Abwehrreaktion in Gang setzen kann) und gegen das Lebermembranantigen (LMA) in speziellen Laboratorien untersucht werden (entsprechende Adressen können Sie gerne über die Deutsche Leberhilfe e.V. anfordern).
Entsprechend der verschiedenen Antikörper-Befunde im Blut werden heute drei verschiedene Formen der autoimmunen chronisch aktiven Hepatitis unterschieden:
Andere Blutuntersuchungen (z.B. überzufällige Häufung der sog. Histokompatibilitätsantigene HLA-B 8 und HLA-DRW 3) lassen vermuten, dass es sich bei der CAAH um eine ererbte, d.h. im Erbgut verankerte Erkrankung handelt.
Weitere, im Blut nachzuweisende Veränderungen sind eine variable Erhöhung des gelben Gallenfarbstoffes Bilirubin und eine Erhöhung der sog. Transaminasen (Fermente, die aus dem Eiweißstoffwechsel der Leberzellen stammen und von einer geschädigten Leber vermehrt freigesetzt werden).
In der Serumelektrophorese, einem Untersuchungsverfahren zum Aufspalten des Blutserums in seine verschiedenen Eiweißuntereinheiten durch ein elektrisches Feld, findet man eine Vermehrung der sog. Gamma-Globuline, später auch einen Abfall der sog. Albumine. Im Blutbild kann es zu einer Verminderung der Blutplättchen sowie der weißen und roten Blutkörperchen kommen. Schließlich findet man - wie bei fast allen entzündlichen Erkrankungen - eine Beschleunigung der Blutsenkung.
Wichtig für die Prognose der Erkrankung ist eine sichere Diagnosestellung und eine entsprechende Therapie. Deshalb muss eine sorgfältige Abgrenzung zu anderen Formen der Leberentzündung erfolgen, die z.T. auch typischerweise im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter auftreten (z.B. die Kupferspeicherkrankheit Morbus Wilson, die Virus-Hepatitiden oder durch Medikamente verursachte Leberentzündungen). Die Diagnose einer chronisch-aktiven Hepatitis kann nur durch eine Gewebsuntersuchung der Leber gesichert werden. Dazu wird durch eine Feinnadelpunktion ein Zylinder Lebergewebe gewonnen und unter dem Mikroskop untersucht..
Vorkommen
Hauptsächlich werden junge Frauen im Alter von 10-30 Jahren von der CAAH betroffen; ein zweiter Häufigkeitsgipfel tritt zum Zeitpunkt der Wechseljahre auf.
Therapie und Verlauf:
Unbehandelt nimmt die CAAH einen chronisch fortschreitenden Verlauf und mündet häufig in eine Leberzirrhose. Deshalb ist es wichtig, eine CAAH nach Diagnosestellung sobald wie möglich zu therapieren. Da es sich bei der CAAH um eine Erkrankung handelt, der ein fehlgesteuertes Abwehr-(Immun-)System zugrunde liegt, versucht man, mit sog. Immunsuppessiva therapeutisch einzugreifen. Darunter versteht man Medikamente, die fehlgeleitete Immunreaktionen sehr wirkungsvoll unterdrücken können.
Als wichtigste seien hier an erster Stelle das Cortison und seine Abkömmlinge, z.B. das Prednison, genannt. Wie bei vielen anderen Autoimmun-Erkrankungen auch kann durch die Gabe von Cortison bei der CAAH eine wesentliche Verbesserung des Krankheitsbildes erzielt werden. Die Krankheitssymptome können verschwinden, die Laborwerte können sich normalisieren und die Veränderungen des Lebergewebes sich zurückbilden. Allerdings muss diese Therapie über Jahre, teilweise lebenslang durchgehalten werden. Die Dosierung kann dabei oft so gering gehalten werden, dass keine wesentlichen Nebenwirkungen zu erwarten sind. Vor allem im Kindesalter wird heute die immunsuppresive Therapie allein mit Prednison durchgeführt.
Ein zweites Medikament, das seinen Einsatz bei der Behandlung der CAAH findet, ist das Azathioprin. Azathioprin wird meistens in Kombination mit Cortison eingesetzt. Durch die zusätzliche Gabe dieses Medikamentes kann die Cortison-Dosierung deutlich reduziert werden. Auf diese Weise können oftmals mögliche unerwünschte Nebenwirkungen der Cortison-Therapie, wie z.B. die Entwicklung eines Vollmondgesichtes, vermieden oder zumindest vermindert werden.
Ist durch eine Cortison-Therapie erst einmal eine Rückbildung der Entzündung/Remission) erreicht worden, kann in einem Teil der Fälle durch die alleinige Gabe von Azathioprin ein Wiederauftreten bzw. ein Fortschreiten der CAAH verhindert werden.
In etwa 50% der Fälle kann nach einer ca. 2-3jährigen Therapie (bei normalem Lebergewebs-Befund) die Cortison- und Azathioprin-Behandlung erfolgreich abgesetzt werden (ohne Rezidiv, d.h. ohne ein erneutes Aufflammen der Entzündung in der Leber).
Sollte es nach Beendigung der Therapie jedoch zu einem Rückfall (Wiederanstieg der Leberwerte innerhalb von 1-3 Monaten) kommen, wird man einen erneuten Behandlungsversuch mit den o.g. Medikamenten, eventuell in höherer Dosierung, beginnen.
Bei einigen Patienten wird die oben geschilderte Therapie nicht erfolgreich sein. In diesem Fall ist die Prognose schlecht. Der chronisch-entzündliche Prozess der autoimmunen Hepatitis kann dann in eine Leberzirrhose fortschreiten. In solchen Fällen sollte man heute rechtzeitig die Möglichkeit einer Lebertransplantation erwägen (dazu ist die Vorstellung des Patienten in einem geeigneten hepatologischen Zentrum erforderlich; Link: "Hepatologische Zentren"). Die Ergebnisse der Lebertransplantation haben sich in den letzten Jahren durch Verbesserungen in der Operationstechnik und vor allem in der medikamentösen Unterdrückung der Abstoßungsreaktion entscheidend verbessert.
Besteht bei betroffenen Frauen Kinderwunsch und eine Schwangerschaft, so muss die Behandlung mit Azathioprin wegen möglicher kindlicher Missbildungen ausgesetzt werden. Die Cortison-Therapie muß jedoch fortgesetzt werden. Relativ häufig kommt es zu Fehl- oder Frühgeburten. Deshalb ist hier die enge Zusammenarbeit zwischen Frauenarzt und einem Leberspezialisten unerlässlich.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Prognose insgesamt sicherlich wesentlich vom Ergebnis der Leberpunktion vor Beginn der Therapie abhängt. Ist die Diagnose einer CAAH gesichert, ist keine Zeit zu verlieren und sofort mit einer immunsuppressiven Behandlung zu beginnen.
Adressen spezieller Laboratorien, in denen das Blut auch auf seltenere Antikörper der Autoimmunhepatitis untersucht werden kann:
I. Immunpathologisches Labor der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen
Otfried-Müller-Straße,
7400 Tübingen,
Tel.: 07071 / 292798
II. Immunologisch-Serologisches Labor, I. Medizinische Klinik und Poliklinik der Universität Mainz
Langenbeckstr. l,
6500 Mainz,
Tel.: 06131 / 172540
III. Immunpathologisches Labor der Medizinischen Hochschule Hannover
Konstanty-Gutschow-Str. 8,
30625 Hannover
Tel.: 0511 / 532-3305
Quelle:
Gerok, W. und H. E. Blum: Hepatologie, Urban & Schwarzenberg, 2. Aufl., München, Wien, Baltimore (1995)