Erreger
Erreger ist das Hepatitis-B-Virus (HBV). Dieses Virus besitzt eine Hülle und als genetisches Material eine zirkuläre und inkomplette doppelstrangige DNS. Es gehört zur Familie der Hepadnaviren. Es gibt verschiedene Subspezies, und das Virus mutiert, beides Eigenschaften, die für die Diagnose, den Verlauf und die Therapie jedoch von untergeordneter Bedeutung sind. Nach jahrelang persistierender Infektion kann sich das virale Genom in das Wirtsgenom integrieren, ein entscheidender Schritt für die Entstehung des Leberzellkarzinoms.
Virusübertragung
Durch kontaminiertes Blut, dies vor allem durch Nadeltausch bei injizierenden Drogenbenutzern, durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, von der infizierten Mutter zum Neugeborenen, durch im selben Haushalt wohnhafte infizierte Personen, heute kaum noch über Bluttransfusionen.
Infektionsverlauf
Die Infektion führt je nach Alter in ganz unterschiedlicher Häufigkeit zu einer akuten Symptomatik (akute Hepatitis B) respektive zu Chronizität und deren Folgen.
Diagnose
Es gibt 7 Laboruntersuchungen mit Nachweis von drei Antikörpern (Anti-HBs [Immunität], Anti-HBe [Infektionsablauf] und AntiHBc [Typ IgG = je stattgefundene Infektion, Typ 1gM = Frühzeichen einer Neuinfektion oder Schub einer chronischen Infektion]) sowie von Viruseiweissen (HBs-Antigen [bestehende Infektion], HBe-Antigen [Virusreplikation]) und des viralen Gens (HBV-DNS [Virusreplikation]). Man kann damit zwischen neuer und chronischer Infektion sowie Immunität unterscheiden.
Vorkommen
Therapie
Es gibt eine akzeptierte medikamentöse antivirale Therapie mit Interferon (3x5-10 Mio. E sc pro Woche während 4-6 Monaten [Kontraindikationen und Nebenwirkungen beachten!). Diese führt in 30-40% zu einer Immunclearance
(Verschwinden von HBeAg, Auftreten von Anti-HBe) und damit zur «Heilung». Die Therapie muss aber einsetzen, bevor eine Zirrhose vorliegt. In speziellen Situationen kann Lamivudine, ein Nukleosid-Analogon, nützlich sein. Risiken (Resistenzentwicklung) und Nutzen müssen sorgfältig abgewogen worden. Weitere Medikamente (Nukleosid-Analoga) sind in der Testphase. Bei fortgeschrittener Zirrhose ergeben sich heute auch mit der Lebertransplantation Erfolge; wobei eine lebenslange medikamentöse Rezidivprophylaxe nötig ist.
Impfung
Die Hepatitis-B-Impfung ist hochwirksam und sicher (3 Injektionen nötig).
Sie gehört seit einigen Jahren zu den von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Schutzimpfungen bei Säuglingen, Kleinkindern und Jugendlichen.
Weitere Personengruppen, die geimpft werden sollten, sind Menschen mit besonderem Ansteckungsrisiko in Ihrem Beruf (medizinisch und zahnmedizinisch Berufe, Polizei, Ersthelfer), Dialysepatienten, Menschen mit engem Kontakt zu Patienten mit einer chronischen Hepatitis B und Neugeborene infizierter Mütter.
Hygienische Maßnahmen
Safer Sex (wie zur Vorbeugung von HIV Infektionen) Vermeiden von potentiell gefährlichem Injektionsmaterial (Mehrfachgebrauch beziehungsweise ungenügende Sterilisierung) und von Verletzungen mit stechenden oder schneidenden Geräten. Dies gilt vor allem beim Drogenkonsum, aber auch bei unsachgemäßen Tätowierungen, Piercing und insbesondere bei «dubiosen» Gesundheitskuren mit Injektionen.
Quelle: Prof. P.J. Grob, Universitätspital, Zürich und Prof. Dr. med. Stefan Zeuzem, Homburg
Stand: 2004