Erreger
Das Hepatitis C Virus ist ein behülltes RNS-Virus, welches zur Familie der Flavi- respektive Hepaciviren gehört. Es gibt 6 HCV Genotypen und -Subtypen. Diese scheinen den Krankheitsverlauf nicht wesentlich zu beeinflussen, sind aber von Bedeutung für die Therapieart resp. den Therapieerfolg.
Virusübertragung
Durch kontaminiertes Blut, vor allem bei Nadeltausch bei injizierenden Drogenbenutzern, nur selten bei Geschlechtsverkehr, nur selten von der Mutter zum Neugeborenen, kaum je über Bluttransfusionen. (Einführung der obligaten Bluttestung Anti-HCV 1990 und der hochsensiblen PCR Technik 1999)
Infektionsverlauf
Die Infektion mit dem Hepatitis C Virus führt selten zu einer akuten Hepatitis (10-20%);
d.h.; sie verläuft meist klinisch stumm. Sie führt aber in über 70-80% zur chronischen Infektion und in 5-50 Jahren (bei 5-30% der chronisch Infizierten) zur chronischen Hepatitis. Letztere kann teilweise zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen.
Diagnose
Sie war bis vor kurzem unbefriedigend und auf die Messung von Antikörpern beschränkt. Es konnte nicht zwischen Infektion und Immunität unterschieden werden. Dies hat sich mit der Möglichkeit, Virusgenomteile (HCV-RNS) im Blut nachzuweisen und deren Konzentration zu messen, geändert- allerdings mittels einer komplexen und teuren Methode.
Vorkommen
Die Durchseuchung in Deutschland wird auf 0,5 - 1% der Bevölkerung geschätzt, d.h. in Deutschland sind zwischen 400.000 und 800.000 Menschen infiziert. Die akute Hepatitis C wird wegen meist fehlender Symptome nur selten diagnostiziert.
Vor 1990 war die Ansteckung mit dem Hepatitis C Virus durch die Übertragung von Blut- und Gerinnungsprodukten nicht selten. Inzwischen lassen sich Hepatitis C positive Blutspender durch moderne Testverfahren in über 99% identifizieren. Das Restrisiko einer Hepatitis C Infektion durch eine Bluttransfusion ist heute minimal.
Auch über verunreinigte Spritzen, z.B. beim Drogengebrauch, kann das Virus übertragen werden. Weitere Risikofaktoren für die Infektion mit dem Hepatitis C Virus sind Tätowierungen oder Piercing. Auch eine Übertragung über offene Wunden, Rasierklingen oder Zahnbürsten ist denkbar.
Eie sexuelle Übertragung des Virus ist möglich. Das Risiko für Sexualpartner infizierter Patienten wird aber als gering eingeschätzt. Das Übertragungsrisiko ist vom Sexualverhalten abhängig.
Chronische Infektion
Weil die HCV-Infektion klinisch über Jahre bis Jahrzehnte stumm bleibt, weiß nur ein Teil der Betroffenen Bescheid.
Therapie
Es gibt eine akzeptierte medikamentöse antivirale Therapie, bis vor einigen Jahren mit Interferon allein - und beschränkter Wirkung - und heute als Kombination von Interferon (3x3 Mio~ E sc pro Woche) und Ribavirin (1000/1200 mg täglich) während 6 Monaten (Genotypen 2 und 3) resp. 12 Monaten (Genotypen 1, 4, 5 und 6) mit einer Heilungschance von 30% (Genotypen 1, 4, 5 und 6) resp. über 60% (Genotypen 2 und 3).
Kontraindikationen und Nebenwirkungen von Interferon und Ribavirin beachten!
Die Therapie muss früh beginnen, bevor sich eine Zirrhose gebildet hat. In den letzten Monaten sind zudem Polyethylenglykol (PEG)gekoppelte Interferone verfügbar geworden, Die PEG - Koppelung bewirkt eine verzögerte Elimination des Interferons, so dass die PEG - Interferone nur noch einmal pro Woche sc gespritzt werden müssen. Die PEG -Interferone haben eine deutlich höhere Aktivität als die bisher verfügbaren Interferone und scheinen in ihrer Wirkung (bei gegenüber herkömmlichem Interferon unveränderter Verträglichkeit) der Kombination von herkömmlichem Interferon und Ribavirin sehr nahe zu kommen. Diese verbesserte antivirale Wirksamkeit dürfte durch Kombination der PEG -Interferone mit Ribavirin nochmals gesteigert werden, wie entsprechende Studienergebnisse gezeigt haben. Bei fortgeschrittener Zirrhose ergeben sich heute auch mit der Lebertransplantation Erfolge.
Impfung
Es steht noch kein Impfstoff zur Verfügung; dies wird noch jahrelang der Fall sein.
Hygienische Maßnahmen
Es gilt vor allem Infektionen über potentiell gefährliches Injektionsmaterial und andere stechende oder schneidende Geräte zu vermeiden. Dies ist besonders wichtig beim Drogenkonsum, aber auch bei unsachgemäßen Tätowierungen, Piercing und insbesondere bei «dubiosen» Gesundheitskuren mit Injektionen. Wichtigste Maßnahmen ist das Needlesharing zu vermeiden.
Quelle: Prof. P.J. Grob, Universitätspital, Zürich und Prof. Dr. med. Stefan Zeuzem, Homburg
Stand: 2004